Elektromobilität – Die Mobilität der Zukunft?!

Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert wie der Ausbau der Elektromobilität.  Das mag zum einen daran liegen, dass Diskussionen, die sich rund um das vielbeschworene Heiligtum der Deutschen drehen, oftmals den Puls einiger Beteiligter in die Höhe schnellen lassen, aber auch daran, dass die Debatte meist einen einseitige Einschlag bekommt, je nachdem von wem sie geführt wird. Jetzt mag der ein oder andere behaupten, dass das bei Diskussionen eben so üblich sei und doch ist mir bei der Recherche zum Thema E-Mobilität aufgefallen, dass ein objektiver Blick auf die Thematik nur schwer zu erhaschen ist. Im Internet und in Printmedien findet sich eine Vielzahl an Berichten von Verbänden und Interessenvertretern verschiedener Positionen. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass diese Berichte den Leser in eine Richtung und damit zu einer bestimmten Meinung bewegen sollen.

Um in den Pool an Meinungen, Behauptungen und Kritiken Klarheit zu bringen, beschäftigt sich dieser Beitrag mit den gängigen Thesen, die sowohl von den Befürwortern als auch den Gegner der E-Mobilität aufgestellt werden:

 

„E-Mobilität ist emissionsfrei.“

Elektrofahrzeuge benötigen zur Fortbewegung keine fossilen Brennstoffe. Sie erzeugen somit keine direkten Emissionen. Bei der Begutachtung der Ökobilanz reicht dieser einseitige Blick jedoch nicht aus. So fallen beispielsweise bei der Herstellung der Batterie Emissionen an, die ebenfalls ihre Berücksichtigung finden müssen. In diesem Zusammenhang wird dabei oftmals die sogenannte „Schwedenstudie“ von 2017 herangezogen.  Sie besagt, dass bei der Produktion einer Batterie für ein Elektroauto etwa 150 bis 200 kg CO2 pro kWh ausgestoßen werden. Aus diesem Ergebnis zogen viele Forscher die Bilanz, dass das E-Auto keinen ökologischen Vorteil gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren hätte. Bis heute schwebt bei Diskussionen rund um das Thema E-Mobilität eine Zahl im Raum, die sich genau auf diese Studie bezieht. Oft ist die Rede davon, dass die Herstellung der Batterie eines E-Autos 17 Tonnen Co2 ausgestoßen würde. Dabei ist diese Zahl schlichtweg falsch. Sie wird gerne von Gegnern der E-Mobilität als Argument genutzt, bildet jedoch keineswegs die Wahrheit ab. Bei dieser Zahl wird von einer 100 -Kilowattstunden-Batterie ausgegangen, die keineswegs in dem Großteil der E-Autos verbaut wird. Eine durchschnittliche E-Auto-Batterie liegt  bei 50-60 Kilowattstunden. Zudem mussten die Ergebnisse der „Schwedenstudie“ von 2017 bereits 2019 revidierten werden. Der durch die Herstellung der Batterie verursachte Co2-Ausstoß liegt demnach derzeit laut der Studie bei 61-106 kg CO2 pro kWh. Das E-Auto hat somit geringe Klimaschutzvorteile gegenüber konventionellen Fahrzeugen. Die Ersteller der Studie weisen außerdem darauf hin, dass die Emissionsrate durch den Ausbau erneuerbarer Energien in Zukunft noch weiter sinken wird.

Neben der Batterieherstellung spielt jedoch auch die Gewinnung des benötigten Stroms eine wichtige Rolle in Sachen Ökobilanz. Das E-Auto tankt und verbrennt zwar keine fossilen Brennstoffe, muss jedoch mit Strom versorgt werden. Um die Emissionsrate eines E-Autos so gering wie möglich zu halten, darf der Strom nicht aus konventionellen Kohlekraftwerken stammen, sondern muss aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Die E-Mobilität ist keineswegs emissionsfrei. Die Weiterentwicklung der Batterieherstellung, die Effizienzsteigerung der Produktionsstätten und die Nutzung erneuerbarer Energien kann jedoch dazu führen, dass sich Elektrofahrzeug zukünftig in Sachen Klimaschutz deutlich von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren absetzten.

 

„Die Gewinnung der benötigten Rohstoffe zerstört die Umwelt.“

Für die Produktion von Batterien werden vor allem die Rohstoffe Kobalt und Lithium benötigt. Dabei wächst die Nachfrage nach diesen Rohstoffen stetig und wird durch den von der Politik angestrebten Ausbau der E-Mobilität drastisch ansteigen. Doch die Gewinnung dieser Rohstoffe erfolgt zum Teil in politisch instabilen Regionen und führt zu erheblichen Umweltschäden.

Ein Großteil des Lithiumbedarfs wird in Südamerika gewonnen. In Bolivien, Chille und Argentinien gibt es die weltweit größten Vorkommen an Lithium. Das Lithium wird vorwiegend durch die Verdunstung von Salzwasser aus dem Grundwasser oder Salzseen gewonnen. Salzhaltiges Wasser wird aus Grundwasservorkommen oder Salzseen gepumpt und durch eine Kette von Verdunstungsteichen geleitet. Vor allem das Abpumpen von Grundwasser führt dazu, dass ganze Landschaften austrocken. Der Lebensraum von Pflanzen, Tieren und Menschen wird unwiderruflich zerstört. Das zentrale Abbaugebiet Südamerikas, das sogenannten „Lithiumdreieck“, das zwischen Chile, Bolivien und Argentinien liegt, ist die Heimat der Kollas, einer der letzten indigenen Völker Südamerikas. Durch die wachsende Nachfrage an Lithium wird diesem Volk die Lebensgrundlage entzogen. Die Bewirtschaftung ihrer Felder und die Versorgung ihrer Lamaherden wird durch den steigenden Wassermangel immer schwieriger. Durch das Abpumpen des salzhaltigen Wassers wird die natürliche Barriere zwischen Süß- und Salzwasser durchbrochen und es kommt zur Kontaminierung des lebensnotwendigen Süßwassers.

Die Gewinnung von Kobalt erfolgt zum größten Teil in Minen im Kongo, wo die – teilweise minderjährigen- Minenarbeiter unter lebensgefährlichen Bedingungen versuchen der hohen Rohstoffnachfrage zu entsprechen.

Wenn wir also über die Zukunftsfähigkeit von E-Mobilität reden, bleibt es nicht aus, dass wir uns auch intensiv mit der Gewinnung der erforderlichen Rohstoffe auseinander setzten müssen. Dabei beschränkt sich diese Auseinandersetzung jedoch nicht nur auf die Gewinnung der erforderlichen Rohstoffe für E-Autos, sondern muss auch für die Herstellung und Bewirtschaftung konventioneller Fahrzeuge erfolgen. Dabei ist es schwer die auf beiden Seiten verursachten Umweltschäden gegeneinander aufzuwiegen. Dies soll jedoch auch nicht im Fokus der Debatte stehen. Ziel sollte es sein sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzten und gemeinsam Lösungen zu finden.

 

„Unser Stromnetzt reicht nicht aus, um die steigende Nachfrage zu decken.“

Es ist richtig, dass unser Stromnetz derzeit keine gesicherte Versorgung der zukünftigen vermuteten Nachfrage gewährleisten kann. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, müssen die rund 890 verschiedenen lokalen Verteilernetze aktiviert oder ausgebaut werden. Einige Netzbetreiber haben bereits angekündigt, dass sie bis 2025 bis zu einer halben Milliarden Euro in den Ausbaut des Stromnetzes investieren möchten. Ob dies auch so erfolgt bleibt abzuwarten.

Man kann sagen, dass der Ausbau unseres Stromnetzes unumgänglich ist. Dies ist jedoch nicht nur für einen wachsenden Anteil an E-Autos notwendig, sondern auch für die Versorgung der wachsenden Zahl an Wärmepumpen in Gebäuden und die dezentrale Einspeisung von erneuerbaren Energien.

Der von den Kritikern der E-Mobilität heraufbeschworene Kollaps unseres Stromnetzes ist jedoch nicht zu erwarten.

 

„Die Reichweite von E-Autos ist zu gering, um unseren Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden.“

Ständige Mobilität ist in unserer heutigen Gesellschaft unabdingbar. Unsere Gesellschaft und Wirtschaft bauen auf dieser Mobilität auf. Arbeitnehmer pendeln täglich zwischen Wohn- und Arbeitsort. Güter werden auf der Straße quer durch Deutschland und Europa transportiert. Dabei müssen die Fahrzeuge nicht nur geringe Distanzen überwinden, sondern ihre Insassen und Waren über lange Strecken transportieren. Bemängelt wird, dass E- Fahrzeuge diesen Ansprüchen (noch nicht) gerecht werden können. Die fehlende Reichweite ist ein gängiges Argument gegen den Einsatz von E-Fahrzeugen. Die Diskussion über zukunftsfähige Mobilität lässt sich aber nicht in der Weise führen, dass man den Vertretern dieser Ansicht ausschließlich zukünftige Innovationsmöglichkeiten vorhält.

Derzeit lässt sich die Leistungsfähigkeit mit konventionellen Fahrzeugen nicht vergleichen. Dies hängt jedoch auch mit der Versorgung mit den erforderlichen Ladestationen zusammen, die noch nicht flächendeckend besteht und ebenso wie der Ausbau des Stromnetzes gefördert werden muss.

Für Kurzstrecken ist das E-Auto jedoch derzeit schon eine Alternative. Auch wenn auch hier in den Ausbau von Ladestationen investiert werden muss. Gerade in der Stadt haben nur ca. 10%  – durch eine Garage oder eine hausnahen Stellplatz –  die Möglichkeit ihr E-Auto „privat“ mit Strom zu versorgen. 90% sind auf eine öffentliche Versorgung angewiesen.

Das Fazit zur E-Mobilität:

Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Mobilität umweltfreundlich ist und wird. Zu Fragen ist jedoch nach zukunftsfähigen Alternativen, die den bestehenden Bedarf an Mobilität decken, jedoch den schädlichen Einfluss auf unsere Umwelt auf ein Minimum reduzieren. Die E-Mobilität kann dazu ihren Beitrag leisten, auch wenn Sie (hoffentlich) nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

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